Sonntag, 24. November 2013
Lets talk about..
Manchmal muss man einfach irgendwo neu anfangen. Am Anfang ist man alleine, man sucht Unterstützung, versucht sich an jedem Strohhalm festzhalten und alle Chancen, die offen stehen, zu ergreifen. Und es gibt eine Gruppe an Menschen, die vom ersten Tag hier für mich da waren. Die mich nie im Stich gelassen haben. Habe ich schon einmal erwähnt, dass ich die absolut beste und tollste Gastfamilie der ganzen Welt habe? Nein? Dann muss ich das jetzt tun, denn es bleibt nicht mehr viel Zeit es zu sagen. Bald muss ich gehen, und meine zweite Familie zurücklassen. Ich möchte lieber nicht daran denken. Ich fühle mich hier perfekt aufgehoben. Es ist wunderschön zu wissen, dass sich jemand freut wenn man nach Hause kommt und wirklich wissen will, wie dein Tag war. Dass sich jemand Sorgen um dich macht, auch wenn er dich vielleicht gerade mal ein paar Wochen kennt. Dass jemand die Verantwortung für dich übernimmt und versucht, dich glücklich machen. Dass dir jemand viel Vertrauen entgegenbringt, aber auch von dir erwartet, dass du dieses Vertrauen nicht missbrauchst, sondern klug gebrauchst. Dass jemand immer hinter dir steht, auch wenn sich der Wind in dieses Moment gegen dich dreht. Dass man geliebt wird, wie die eigene Tochter. Dass man einfach sein kann, wer man wirklich ist. Und dafür akzeptiert und gemocht wird. Dass man von den kleinen Monstern mit einem „Luuuucie“ begrüßt wird, sobald man die Tür aufmacht. Dass man mit seinen Gasteltern Insiderwitze, Lieblingsserien und Lästerthemen hat, über die man sich stundenlang auslassen könnte. Dass man mit einem dankbaren und erschöpften Lächeln angesehen wird, wenn man die Wäsche aufgehängt hat. Dass hier die kleinen Dinge zählen, hier verblassen die Probleme der großen Welt und es zählen die, für viele bedeutungslosen, winzigen Dinge. Aufmerksamkeiten und Gesten die dich wie etwas Besonderes fühlen lassen, obwohl sie vielleicht in Deutschland für dich alltäglich werden. Hier bin ich Ich, und so möchte ich sein! Ich dachte wirklich nicht, dass ich mich hier so wohl fühle würde. Zwischen meinen Gasteltern und mir stimmt einfach die Chemie. Meine Gastmum ist Mama, beste Freundin und Mitbewohnerin in einem, mit ihr kann ich über alles reden und sie steht in jeder Situation hinter mir und würde mich immer verteidigen. Ich kann wirklich fühlen, dass ich hier willkommen bin! Mir ist erst in den letzten Wochen aufgefallen, wie selbstverständlich und gleichzeitig wunderbar es in meiner Familie ist. Ich habe eine zweite Familie am anderen Ende der Welt geschenkt bekommen und bin dafür unendlich dankbar. Auf einmal habe ich eine zweite Mutter, mit der ich über ätzende Mitschüler lästern kann. Und einen zweiten Dad, der beim Erwähnen eines Jungennamens am Esstisch die Stirn runzelt. Manchmal passt die Chemie oder das Verständnis zwischen Gastfamilie und Gastschüler einfach nicht - Bei mir ist es nahezu perfekt! Ich kann kaum ausdrücken, was ich gerade fühle, weil es pures Glück ist. Ich hatte wirklich Glück in diese Familie zu kommen. Auch die Verbindung zwischen mir und meinen Gastbrüdern wird jeden Tag enger, ich werde immer mehr zur großen Schwester, die sie respektieren, mit der sie aber auch viel Spaß und Quatsch machen können. Ich bin endlich ein Teil der Familie, ich bin endlich angekommen. Das bin ich eigentlich schon seit dem ersten Tag, aber erst jetzt wird es mir bewusst. Ich werde ihnen niemals dafür danken können, dass sie mein Austauschjahr nahezu perfekt machen. Es gibt keine Möglichkeit wirklich auszudrücken, was ich im Moment fühle. Vielleicht ist das Wort Geborgenheit. Ein Gefühl, dass ich bis jetzt nur zu Hause hatte, in meinem richtigen zu Hause, in Deutschland. Dieses Gefühl hat sich in den letzten Wochen schleichend und warm in mir breit gemacht und scheint meinem Aufenthalt hier sozusagen das Sahnehäubchen aufsetzen zu wollen. Und mir ist das recht, denn es ist berechtigt. Schon am Mittag freue ich mich, endlich am Nachmittag in den Bus zu steigen und nach Hause zu fahren, die Tür aufzuschließen und bei meiner Familie zu sein. Das ist Heimat. Hier will ich sein!
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